Hundesprache, Was ist das?

DER GESELLE DES MENSCHEN

Gibt es eine Hundesprache? W enn der Mensch einen Hund in seine Haus- und Familiengemeinschaft auf nimmt, dann schließt er gleichsam mit ihm einen Vertrag. Er tut das nicht schriftlich, aber er tut es, indem er vom Hunde verlangt, daß er sich weitgehend menschlichen Erwartungen anpaßt, während der Mensch es andererseits übernimmt, dem Hunde die Zugeständnisse zu machen, die seiner Eigenart entsprechen.

Das setzt jedoch voraus, daß der Mensch das Wesen und die Natur des Hundes verstehen lernt. Nur auf dieser Grundlage kann sich ein gesundes Verhältnis Mensch-Tier entwickeln, nicht aber auf Grund eines „vermenschlichenden Kultes“.
Er spricht zu uns
Immer wieder hört man von Hunden, die angeblich eine Hundesprache haben. Jedesmal lockt diese Behauptung eine Unzahl Menschen, ja, selbst Tierpsychologen. Kürzlich sah ich nun selbst ein solches „Wundertier“. Ich hörte diesem Hund sehr aufmerksam zu, doch anscheinend sprach er tschechisch, und ich verstehe leider kein einziges Wort dieser Sprache. Es ist durchaus möglich, daß der Hund bei der Vorführung in der Tschechoslowakei deutsch gesprochen hat und man ihn dort ebenfalls nicht verstehen konnte.

Mir fiel auf, daß der Hund einige jaulende Laute von sich gab, die ebenso „Bitte, ein Glas Bier!“ wie „Mir ist verdammt übel!“ heißen konnten. Wahrscheinlich aber gab das Tier nur seiner Freude in diesen Tönen Ausdruck. Um es kurz zu sagen: Eines klaren Beweises für die Sprachfähigkeit seines Tieres kann sich bisher kein Hundebesitzer rühmen. Dagegen hat aber jeder Hund, ob er leidend ist oder gesund, ob froh oder traurig, die Fähigkeit, sich durch ihm wirklich gemäße Ausdrucksformen verständlich zu machen. An erster Stelle steht der Laut, der sich ja nicht nur auf den Bellton beschränkt und als Hundesprache verstnaden werden könnte.

Das Miefen des Hundes

 

Das Miefen des jungen Hundes gehört ebenso dazu wie das Bellen oder das Singen und Heulen des älteren Hundes. Selbst beim Bellen macht der Hund Unterschiede, die im Ton zum Ausdruck kommen. Jäger zum Beispiel unterscheiden je nach der Tätigkeit des Hundes leicht den Standlaut, Hetzlaut, Sprunglaut und zahlreiche andere Lautäußerungen, ohne dabei den Hund zu sehen.Sprache des Hundes
Aber es muß sich gar nicht um einen Jagdhund handeln.

Auch bei unserem Haushund wissen wir, was er sagen will. Wir brauchen ihn dabei gar nicht anzusehen. Wir kennen seine Jubeltöne, sobald wir mit ihm Spazierengehen, und wir kennen sein trauriges Miefen, wenn er daheim bleiben muß.

Wir hören es, wenn er einen eiligen Austritt wünscht, wenn er um Futter bittet oder wenn er vor Übermut beim Spielen Laut abgibt.
Auch durch sein Verhalten kann sich der Hund verständlich machen. Das Wedeln mit dem Schwanz oder gar mit dem ganzen Hinterteil als Zeichen der Aufmerksamkeit und Teilnahme wissen wir ebenso zu deuten wie das (häßliche) Anspringen in der Wiedersehensfreude. Wir kennen auch die Mimik des schlechten Gewissens und diejenige der Freude.

Wir wissen, daß die hochgestellten Lauscher gesteigertes Interesse verraten, schlapp herabhängende Ohren aber anzeigen, daß sich unser Hund benachteiligt fühlt. Hochgezogene Lefzen sind das typische Anzeichen für Zorn und Erregung, ein spontan herangeschleppter Gegenstand fordert uns zum Spiel auf.
Der Hund hat eine „Stimme“, er hat „sprechende“ Augen, einen „ausdrucksvollen“ Körper – aber eins kennt er nicht: eine Sprache im menschlichen Sinne. Wer das bedauerlich findet, verrät nur, daß er zum Tier – speziell aber zum Hund – kein richtiges Verhältnis hat

Wollen wir die verschiedenen Eigenarten des Hundes wirklich verstehen, müssen wir uns auch etwas mit Abstammungsgeschichte befassen. Gerade über die Abstammung herrschen allerdings weit auseinandergehende Meinungen. Während eine Gruppe von Forschem – vorwiegend auf Grund von Schädelmessungen – die Abstammung vom Wolf nachzuweisen sucht, unterscheidet Lorenz („So kam der Mensch auf den Hund“, Verlag Dr. G. Boroth-Scheeler, Wien) zwischen „aureusblütigen“ und „lupusblütigen“ Hunden.

Das heißt, nach seiner Ansicht stammt die Mehrheit der Hunde vom Goldschakal ab, eine Minderheit vom Wolf. Lorenz beruft sich in der Hauptsache auf psychologische Forschungsergebnisse.
Auch über die ursprüngliche Verwendung der Hunde sind sich die Forscher nicht einig. Während die einen behaupten, der Hund sei durch die Jagd zum Gefährten des Menschen geworden, glauben andere, daß der Hund zunächst nur als Schlachttier gehalten wurde und erst in der Epoche der sogenannten Pflughaukultur auch bei der Jagd, als Wächter und als Zugtier eingesetzt wurde.

Vielleicht scheint es vielen Hundefreunden nicht besonders wichtig, was vor 12 000 oder gar vor 15 000 Jahren mit dem Hunde geschehen ist, aber es ist immerhin merkwürdig
genug, daß der Hund, dieses dem Menschen am nächsten stehende Haustier, so geringe Spuren seiner Abstammung aufweist.
Auf welche Weise mag der Mensch das Stammtier des Hundes – gleichgültig ob Wolf oder Schakal – gezähmt haben? Wahrscheinlich ist es dem Menschen gelungen, ein Jüngtier einzufangen und aufzuziehen, zumal sich Wölfe und Schakale wegen der vielen Abfälle häufig in die Nähe der Menschen wagten, ohne freilich ihre Scheu vollkommen zu überwinden.

Ein verwaistes Jungtier aber ist hebebedürftig und wird bald zutraulich und anhänglich. Die Entwicklung vom gelegenthch aufgelesenen Jungtier zum ständigen Haustier wird allerdings sehr lange Zeit gebraucht haben.
Fast alle Spuren der ersten „Haushunde“ weisen auf die Stromtäler des Nils und des Hoangho hin. Innerhalb bäuerlicher Kultur wurde der Hund anscheinend zuerst in Vorderindien gehalten. In Mitteleuropa ist der Haushund, wie Haltenorth („Rassehunde – Wildhunde“, Carl Winter Verlag, Heidelberg) ausführlich beschreibt, von der Mittelsteinzeit an (etwa 9000-7000 v. Chr.)

nachweisbar. Linne hat diesen Haushund 1766 Canis familiaris genannt. Bei den sogenannten Muschel- essern gefundene Überreste von Haushunden wiesen darauf hin, daß er damals noch oft und gern gegessen wurde. Auch Spuren des Torf hundes, Canis familiaris palustris genannt, wurden in Mitteleuropa innerhalb der Pfahlbausiedlungen gefunden.

Dieser Hund wird deshalb auch als Pfahlbauspitz bezeichnet, die Funde beweisen jedoch nicht eindeutig, daß es sich tatsächlich um einen Spitz handelte.Während der Bronzezeit scheint der Hund als Hausgenosse schon sehr viel häufiger aufgetreten zu sein. Am bekanntesten unter den Hundevorfahren sind der Aschenhund, Canis familiaris intermedius, der in den Aschenresten früher Siedlungen Österreichs und Böhmens gefunden wurde, und der Canis familiaris leineri, dessen Spuren am Bodensee ausgegraben wurden.
Zur Entstehung der Hunderassen schreibt Haltenorth, es sei möglich, daß der alpenländische Pfahlbauhund Ausgang für den späteren Spitz, den Pinscher- und den Terrier gewesen sei. Der Ladogaseehund sei Urahn der Samojedenspitze, Chow-Chows, Elchhunde, Schlittenhunde und ähnlicher Rassen. Der Bronzehund ist wahrscheinlich der Stammvater der großen Hirten- und Sennenhunde, der Aschenhund Ahnherr der Lauf- und Jagdhunde, Bracken, Schweiß- und Vorstehhunde, und der Bodenseehund sei der Ahn der Windhunde.

 

Aber das sind Vermutungen Außerordentlich groß ist die Zahl der verschiedenen Hunderassen. Wohlgemerkt: der Rassen. Wenn wir im Umgangsdeutsch von verschiedenen Hundearten reden, so ist das falsch; denn der biologische Begriff Art (Spezies) umfaßt alle Hunde zugleich und besagt nur, daß wir eine spezielle Gruppe von Tieren vor uns haben: nämlich die Hunde. Wir meinen aber – wie gesagt – fast immer die einzelnen Unterarten (Subspezies) oder Rassen, die vorwiegend menschlicher Planzucht entstammen und nur selten an ein bestimmtes Verbreitungsgebiet gebunden sind.

 

Ausnahmen bilden Unterarten wie die Polar- und Lappenhunde. Sie finden sich nur in ganz bestimmten Regionen und verdanken wahrscheinlich ihre Eigenarten der besonderen Umwelt. In Europa sind diese speziellen Unterarten nur wenig bekannt, obwohl solch ein außergewöhnlicher Hund mitten unter uns lebt: der Skipperke.
Ich kannte lange Zeit nicht einmal den Namen dieses Hundes, bis ich ihn yor kurzer Zeit von einem Schiffer in Minden an der Weser erfuhr. Ich muß die Geschichte hier erzählen, obwohl gerade der Skipperke für keinen meiner Hundefreunde in Frage kommt.Vor einer Reihe von Jahren fuhr ich auf der Elbb mit einem Schiff der Neuen Norddeutschen Elbschiffahrtsgesellschaft von Magdeburg nach Dresden. Es war ein Schleppdampfer, der drei oder vier Tausendtonnenkähne hinter sich her zog.

 

Während wir langsam stromauf stampften, freute ich mich über einen spitzartigen Hund mit grauem, langem Haar und kurzer Stummelrute, der sich gebärdete, als sei er der Kapitän des Schiffes. Er war überall zu finden, auf der Brücke, am Ruder, in der Kombüse, auf den Ankertauen und am Bug, immer war es, als müsse er mal da und mal dort eben nach dem Rechten schauen; immer bellte er, wenn es nötig war, und je nachdem wie er bellte, zog er die Aufmerksamkeit des Kapitäns auf sich. Gar nicht so einfach zur Miete mit einem Hund zu leben….siehe Bild.de

 

Beim Schleusen paßte er genau auf, daß der Frachter nicht an die Schleusenmauer stieß. Offenbar fühlte er sich für die Bordwand des Schiffes allein verantwortlich. Solange er nicht bellte, zeigte sich an der Bordwand auch niemand zum Staken. Das war kein gewöhnlicher Hund, kein x-beliebiger etwa! Nein, ein rassereiner, echter SchifFshund.

Der olle Käpten erzählte mir, er habe ihn von seinem Vater geerbt, freilich nicht diesen Hund, sondern dessen Urgroßvater. Und er erzählte mir weiter, diese SchifFshunde gingen nie an Land. Selbst ihre Hochzeitsfeier hielten sie an Bord, indem sie an Ben großen Anlegeplätzen auf fremde Schiffe übersprangen und dort unbekümmert um ihre Auserwählte kämpften und rauften. Kurz, Land sei das einzige, was sein Hund fürchte wie ein Nichtschwimmer die See.

Nicht der Kapitän sei sein Herr, sondern einzig und allein das Schiff. Mit ihm lebe er und mit ihm vergehe er, auf ihm sei er geboren, und habe er nicht das leichte Schwanken der Kähne unter seinen Pfoten, so werde er „seekrank“.
Seit jener Zeit gilt dem Skipperke meine uneingeschränkte Bewunderung: Wahrlich, ein köstlicher origineller Kerl, wahrlich eine zweckmäßige Rasse!
Die meisten Hunderassen verdanken ihre Entstehung der Absicht, Hunde zu züchten, die für einen bestimmten Zweck besonders geeignet sind, zum Beispiel für die Jagd und Fährtensuche, für Wachdienste und Luxuszwecke. Je nach Einsatz könnte man die untershciedlichen laute auch als Hundesprache bezeichen.